Doppeldeutsche Karten: Farben, Werte und Wilhelm Tell
Wer regelmäßig schnapst, kennt bestimmt die Doppeldeutschen Karten. Vor allem in Teilen von Österreich wird das Kartenspiel mit den Bildern der Figuren aus Wilhelm Tell gerne als Schnapskarten verwendet.Aber: Wie kam es überhaupt dazu? Und was hat die Wiener Firma Piatnik mit der Geschichte zu tun? Das erfährst du hier.
Welche doppeldeutschen Karten braucht man zum Schnapsen?
Für Schnapsen verwendest du 20 Karten: Ass (Daus), Zehner, König, Ober und Unter in jeder der vier Farben. Siebener, Achter und Neuner eines größeren Blatts bleiben draußen. Die Augenwerte sind beim Zweier-, Dreier- und Bauernschnapsen gleich; die Regeln für Stiche und Ansagen unterscheiden sich.
| Doppeldeutsch | Französisch | Augen |
|---|---|---|
| Ass / Daus | Ass | 11 |
| Zehner | Zehner | 10 |
| König | König | 4 |
| Ober | Dame | 3 |
| Unter | Bube | 2 |
Die Tabelle zeigt die normale Rangfolge von hoch nach niedrig. Alle 20 Karten zählen zusammen 120 Augen. Eine Trumpfkarte schlägt Karten anderer Farben. Sonderansagen wie Zehnerloch haben eine eigene Rangfolge.
Die vier Farben erkennen

Pik im französischen Blatt

Kreuz im französischen Blatt

Herz im französischen Blatt

Karo im französischen Blatt
Ober oder Unter? Beim Ober steht das Farbzeichen oberhalb der Figur, beim Unter darunter. So erkennst du den Rang auch ohne französische Buchstaben.
Was sind Doppeldeutsche Karten?
Bei Doppeldeutschen Karten handelt es sich um ein Spielkartenset, bei dem jede Karte mit dem Bild einer Figur bzw. einer Szene aus dem berühmten Wilhelm-Tell-Drama von Friedrich Schiller oder mit einem Bild der vier Jahreszeiten versehen sind.Im Normalfall hat das Spiel 32 Wilhelm-Tell-Karten, es gibt aber auch Kartenspiele mit 24 oder mit 36 Karten.
Welches Bild ziert welche Karte? Die Spielkarten-Übersicht
Laub/Grün (Pik)

Unter / Bube: Die Karte zeigt Walter Fürst

Ober / Dame: Ulrich von Rudenz

Daus / As: Buben bei der Weintrauben-Verarbeitung (Herbst)
Eichel (Kreuz)

Unter / Bube: Rudolf der Harras

Ober / Dame: Wilhelm Tell

Daus / As: Alte Dame, die Feuerholz trägt /
Soldat der sich am Feuer wärmt (Winter)
Herz

Unter / Bube : Werner Stauffacher / Kuoni, der Hirte

Ober / Dame: Hermann Gessler

Daus / As: junge Frau pflückt Blumen (Frühling)
Schellen (Karo)

Unter / Bube: Itel Reding / Arnold von Melchtal

Ober / Dame: Stüssi, der Flurschütz

Daus / As: junge Frau (oder Mann) mäht Heu mit einer Sense (Sommer)
Doppeldeutsche Karten und Ihre Herkunft: mehr Ungarisch als Deutsch
Die Bezeichnung “Doppeldeutsche Karten” lässt einen deutschen Ursprung vermuten. Tatsächlich sind die Wilhelm-Tell-Karten in Deutschland und auch der Schweiz aber kaum verbreitet - auch wenn das Blatt um Wilhelm Tell und Hermann Gessler für alle möglichen Kartenspiele wie Preference, Tarock oder Schnapsen gerne verwendet wird.Lange Zeit wurde vermutet, dass der Wiener Kartenhersteller Piatnik um 1865 das erste Jahreszeitenblatt auf den Markt brachte.
Das erste bekannte Jahreszeitenblatt mit den Schiller-Figuren wurde aber bereits in den Dreißigern des 19. Jahrhunderts angefertigt, und zwar in der ungarischen Stadt Pest.
Historiker sind sich einig, dass die Bilder ursprünglich Szenen aus dem ungarischen Aufstand gegen die Habsburger zeigen sollte. Aufgrund der Zensurmaßnahmen wäre ein solches Spiel- bzw. Kartenset allerdings niemals veröffentlicht worden und hätte zudem erhebliche Probleme mit sich gebracht.
Um der Zensur zu entgehen, tauschte man die Bilder des ungarischen Aufstandes auf den Spielkarten kurzerhand mit Bildern aus der Wilhelm-Tell-Sage, deren Ursprung ja ebenfalls in einem Aufstand gegen die Habsburger lag.
Bemerkenswert, dass wenige Jahre später ausgerechnet Piatnik aus Wien das Kartenset in Österreich, Ungarn und einigen slawischen Ländern populär machte.
Doppeldeutsche Karten in Österreich: regionale Unterschiede
Doppeldeutsche Karten werden vor allem in Österreich, Ungarn, der Slowakei sowie in Teilen von Tschechien und Bosnien verwendet. Man bezeichnet sie auch als Ungarisches Blatt oder Mitteleuropäisches Blatt.Auch hierzulande lassen sich regionale Unterschiede feststellen. Während Jahreszeitenblätter mit bis zu 36 Karten von Piatnik vor allem in Tirol, Salzburg, Oberösterreich, der Steiermark und im Burgenland verbreitet sind, sind es Vorarlberg und im westlichen Tirol oft Einfachdeutsche Sets. Das Einfachdeutsche Blatt ist dem Bayerischen Blatt und den Deutsschweizer Jasskarten sehr ähnlich.
In Wien, Niederösterreich und einigen Teilen der Steiermark kommt vornehmlich das Französische Blatt zum Einsatz. Eichel, Laub/Grün und Schellen entsprechen beim Wiener Blatt den Symbolen Kreuz, Pik und Karo. Das Herz bleibt gleich.
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